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Mein kleines Abenteuer „Ecuador“

Mein Name ist Roman, ich bin 19 Jahre alt und am 12.08.2022 erhielt die Nachricht, dass sich mein eigentlicher Freiwilligendienst in Gqeberha, Südafrika, aufgrund von Visaproblemen nach hinten hinaus verzögert. Einen Monat und drei Tage später bekam ich dann das Ablehnungsschreiben per E- Mail zugesendet. Durch die großartige Zusammenarbeit meiner deutschen und Partnerlands- organisation bin ich aktuell nun in Ambato, Ecuador und es könnte kaum besser laufen. Nicht nur, dass ich nun endlich doch noch meinen Traum von einem Freiwilligendienst verwirklichen konnte, ich hatte auch sehr viel Glück mit meiner Familie und meiner Arbeitsstelle. Die einigen bisherigen Fehlgriffe sind nur, dass mir am achten Tag mein Handy geklaut wurde und ich einen Tag später mit einer schweren Lebensmittelvergiftung im Krankenhaus lag. Leider gibt es hier gesundheitlich immer ein paar mehr Ausrutscher, als mir lieb wäre, aber ich befinde mich ja noch in der Anfangszeit und ich denke, dass es vielen Leuten ähnlich ging. Vielleicht nicht ganz so heftig, aber ähnlich.

Ich bin in einer kleinen Familie untergebracht. Nur meine Gastmutter Sonia und mein Gastvater Sixto. Dennoch haben wir viel Verwandtschaft. Alle paar Tage treffen wir uns mit meinen Gasttanten, -onkel,

-cousinen und -cousins. Direkt neben mir wohnt meine Gastcousine mit ihrem Bruder und ihren Eltern mit Hund. Mich freut es jedes Mal, wenn ihr Hund uns besucht, da wir leider keinen bei uns im Haus haben. Der Hund lenkt mich etwas von meinem Heimweh nach meiner Familie mit meinem eigenen Hund ab, die Zuhause allesamt geduldig auf mich warten.

Mich hätte es mit der Familie nicht besser treffen können. Sie haben mich von Anfang an liebevoll aufgenommen, direkt als einen Teil der Familie behandelt und in jegliche Situationen integriert, wie

z.B. das gemeinsame weihnachtliche Krippenspiel. Die ersten Tage bin ich viel mit meiner Gastcousine unterwegs gewesen, welche mir Ambato gezeigt hat. Zusätzlich bin ich meiner Familie sehr dankbar. Gesundheitlich ging es mir die ersten Wochen nicht besonders gut. Und wann immer ich Medizin brauchte, zum Arzt gefahren werden musste oder Sonstiges, waren sie für mich da.

Nach den ersten Monaten hat man aber doch ein paar kulturelle Unterschiede innerhalb der Familie gemerkt. Es ist nicht immer einfach, mit zwei Kulturen unter einem Dach zu leben, aber die größte Zeit fühle ich mich sehr wertgeschätzt und als vollwertiges Mitglied meiner Gastfamilie.

Dennoch gibt es ein großes Problem, auf das ich nicht vorbereitet werden konnte: Sein Name ist Kommunikation.

In Ecuador sprechen die wenigsten Menschen Englisch. Dadurch, dass ich vorher keinerlei Erfahrungen mit der spanischen Sprache sammeln konnte, fiel es mir am Anfang sehr schwer, mich mit meiner Gastfamilie bzw. generell mit Leuten auf Spanisch zu unterhalten. Ich habe zwar fünf Wochen vor meiner Abreise eigenständig angefangen, Spanisch zu lernen und konnte mir so einiges an Grundlagen aufbauen, dennoch habe ich schnell gemerkt, dass ich damit nicht weit komme. Am Anfang wurde also viel mit einem Übersetzer gearbeitet, was ziemlich genervt hat. An der Arbeit genauso. Ständig zum Übersetzer zu greifen, weil man das Gesagte der Kinder nicht verstehen kann, ist sehr nervig. Aber nach einigen Wochen in Ecuador und 20h Spanischunterrichtseinheiten mit einer Lehrerin später fällt es mir nun leichter, Gesagtes zu verstehen und schon die passenden Wörter zu finden. Leider ist es nur so, dass ich immer noch merke, dass mir noch viele Grundvokabeln fehlen. Aber ich merke auch, dass mein Spanisch viel besser geworden ist. Vor allem für die ersten drei Monate. Ich glaube, da hatten andere vielleicht größere Probleme als ich.

Ich arbeite in dem Projekt „Hogar Santa Marianita“ in Ambato. In dem Waisenhaus lerne ich jeden Tag etwas Neues von den Kindern und hatte nach den ersten Wochen Arbeit das Gefühl, richtig angekommen zu sein. Wenn ich morgens ankomme, gehe ich meistens erst in eine der Lerngruppen und helfe den Kindern bei den Aufgaben, größtenteils bei Mathematik, Englisch und bei kleinen Wörtersuchrätseln oder helfe kurz in der Küche aus. Dann gab es meistens zeitnah schon Mittagessen

und ich helfe beim Servieren und Abwasch. Nachdem meine Arbeitskollegen und ich dann anschließend selber gegessen haben, gehe ich wieder zurück zu den Kindern. Meistens steht dann Freizeitgestaltung auf dem Plan. Bedeutet, entweder spielen wir ein paar Spiele in dem Klassenraum, bewegen uns draußen an der frischen Luft und spielen z.B. Fangen, Verstecken oder Fußball oder schauen eventuell einen Film. Die Arbeit variiert natürlich aber auch. Die Kinder sind je nach Alter in sogenannte „Linien“ eingeteilt. In dem Waisenhaus haben wir Kinder in der Altersspanne von ein paar Monaten bis 12 Jahre. Ich kann mir hierbei aussuchen, mit welcher Altersgruppe ich arbeiten möchte und bekomme somit Abwechslung in meinen Alltag. Die beiden weiteren deutschen Freiwilligen und ich werden jedoch auch für andere Aufgaben eingesetzt, wie z.B. Wäsche machen und zum Trocknen aufhängen, fegen, die Kinder, die an einer Schule eingeschrieben sind, auf den Weg dorthin begleiten oder die kleinen Kinder füttern. Also alles wo man eine helfende Hand benötigen kann.

Meine Arbeit ist sehr herzerwärmend. Nicht nur, dass die Kinder von Tag eins sehr zugänglich waren. Sie freuen sich jedes Mal über neuen Besuch und überschütten jeden Menschen mit ihrer Liebe. Wir haben auch viele Kinder, dessen Eltern sich die Erziehung finanziell einfach nicht leisten können und sie deshalb in die Obhut des Waisenhauses geben. Trotzdem besuchen sie sie des Öfteren und verbringen den Vormittag zusammen. Ich habe bis jetzt auch schon zwei Situationen miterlebt, in denen die Kinder von ihrer biologischen Familie oder Verwandtschaft adoptiert wurden. Wir hatten letztens sogar wieder Besuch von einem Mädchen, dass fünf Wochen vorher das Waisenhaus verlassen hat und in ihre neue Familie eingezogen ist. Auch gab es die Situation, dass sich getrennte Geschwister wiedergesehen haben. Es wird also auch oft sentimental.

Leider merke ich aber auch, dass viele Kinder Entwicklungsprobleme haben. Vielleicht wegen früherer Unterernährung oder Sonstigem. Diese Probleme äußern sich in Sprach- und Verständnisproblemen. So haben viele zwei- bis zweieinhalbjährige Probleme ihre ersten Worte zu sagen. Auch haben viele sieben- bis achtjährige wahnsinnige Probleme mit dem Verständnis von den einfachsten Aufgaben. Diese Kinder stagnieren teilweise schon seit Wochen bei denselben Kopier- und Rechenaufgaben und schaffen es immer noch nicht, sie alleine zu lösen. Ich glaube aber auch, dass das Lernumfeld für die Kinder nicht so leicht ist. Die Kinder werden nämlich aufgeteilt. Eine Gruppe macht morgens die Schulaufgaben und eine am Nachmittag. Die Kinder sind jedoch alle im selben Raum. Heißt wenn eine Gruppe frei hat, spielen die Kinder natürlich oder gucken Fernsehen und die anderen müssen zeitgleich ihre Aufgaben erledigen.

Abgesehen von dem Problem, dass den Kindern manchmal einfach Aufgaben gegeben werden (z.B. im Englisch), die sie alleine gar nicht verstehen und lösen können, findet auch keine wirkliche Weiterbildung im digitalen Bereich statt. Die ältesten Kinder haben oft Recherche, Aufgaben und ich denke, dass ihnen grundlegendes EDV-Verständnis ganz guttun würde.

Über die Weihnachtszeit waren auch viele Veranstaltungen bei uns im Waisenhaus. So hatten wir eine Woche vor Weihnachten jeden Tag einen Gottesdienst, zu dem meistens irgendwelche privaten Schulen gekommen sind und für uns gesungen und Musik gemacht als auch ganze Krippenspiele vorgeführt haben. Zusätzlich kamen viele Studenten und haben mit den Kindern Spiele gespielt (unter anderem als Clown oder Weihnachtsmann verkleidet), wobei es zum Schluss oder währenddessen eigentlich immer eine Kleinigkeit zum Naschen gegeben hat. An einem Tag kam sogar eine Seniorengruppe bestehend aus nur Frauen und hat mehrere Tänze aufgeführt.

Die letzten paar Wochen hatten wir auch immer wieder Besuch von Studenten und Schülern, die uns bei den Haushaltsarbeiten geholfen haben. Auch haben wir teilweise ein paar Psychologiestudenten, die bei der Betreuung helfen oder ein paar koordinative und motorische Aufgaben mit den Kindern durchführen. Die Studenten übernehmen teilweise auch Bildungsaufträge. So hatten wir letztens einen Vortrag von der Ernährungstechnik gehört, welche das richtige Händewaschen und das zubereiten von Lebensmitteln erklärt haben.

Mit meinen Arbeitskollegen habe ich meistens nicht besonders viel zu tun. Größtenteils sind es die Kinder, welchen ich meine Aufmerksamkeit schenke. Dennoch verstehen wir uns alle sehr gut und auch

hier hatte ich von Anfang an das Gefühl, direkt ein Teil der „Familie“ zu sein und wurde warmherzig begrüßt. Meine Vorgesetzten haben über Weihnachten auch eine kleine Bescherung veranlasst, und so habe ich direkt in den ersten zwei Wochen ein Geschenk von meiner Arbeit mit Süßigkeiten bekommen.

Anfangs hatte ich dennoch kleine Probleme mit den Putz- und Kochfrauen. Da ich noch nicht besonders gut Spanisch konnte, hatte ich das Gefühl, dass sie mich auslachen würden. Nach einiger Zeit, wo ich die Sprache nun wesentlich besser beherrsche, verstehe ich mich viel besser mit meinen Arbeitskollegen und werde von ihnen mehr wie ein Freund behandelt.

Außerdem ist für mich der Umgang der Erzieher mit den Kindern nicht immer sehr schön mit anzusehen und war für mich am Anfang auch sehr erschreckend. Sie pflegen zwar ein familiäres Verhältnis untereinander und die Kinder nennen die Erzieher auch alle „Mami“, aber gleichzeitig sind sie auch in der Lehrer- und Aufpasser-Rolle. Und dies überschneidet sich leider manchmal. Zudem ist die Essenspolitik auch manchmal schwierig, da die Kinder mehr oder weniger gezwungen werden, komplett aufzuessen, auch wenn sie schon am Weinen sind, erbrochen haben und ihnen das Essen überhaupt nicht schmeckt. Außerdem ist auch die Freizeitgestaltung der Kinder ein Problem. Da einige Kinder an einem leichten Übergewicht leiden und die sportliche Bewegung zu kurz kommt, sind viele im Unterricht unkonzentriert und total aufgedreht. Deshalb werde ich in Zukunft versuchen, mehr sportliche Freizeitaktivität in den Alltag zu integrieren, sodass die Kinder nicht jeden Tag zwei Stunden einen Film während ihrer „Pause“ gucken.

Anfangs war Ecuador für mich etwas überwältigend. Die kulturellen Unterschiede haben sich direkt bei meiner Ankunft bemerkbar gemacht. Ich finde diese Unterschiede auch nicht schlimm – sie haben mich einfach nur geschockt. So habe ich auf dem Weg vom Flughafen zu meiner Gastfamilie die ersten Straßenverkäufer gesehen, die versucht haben, Chips und Mangos zu verkaufen. Auch habe ich direkt gemerkt, dass die Infrastruktur und Architektur eine ganz andere sind. Man konnte auf dem ersten Blick direkt schon erkennen, wer mehr und wer weniger Geld hatte und wie groß die Schere zwischen Arm und Reich eigentlich ist. Als ich dann nach den ersten Tagen mit der Arbeit angefangen habe, ist mir direkt der nächste Unterschied aufgefallen: Das Verkehrssystem ist ein ganz anderes. Nicht nur, dass die Busse nirgendwo eingetragen sind. Die Busse halten mitten auf der Straße und lassen die Leute für 30 Cent ein und aussteigen. Oftmals nehmen Leute auch einfach Tiere wie Schafe oder Ziegen mit in den Bus. Bei manchen Menschen hat man auch das Gefühl, dass sie mit dem Bus umziehen wollen. Der nächste Unterschied sind die Verkehrsregeln. In Deutschland ist es schon fast illegal zu hupen. Hier ist das ein bisschen anders. Hier hupen die Taxfahrer teilweise, um zu signalisieren, dass sie dich mitnehmen wollen. Auch halten sich hier viele Leute einfach nicht an die Verkehrsregeln. Hier gibt es z.B. auch viele Leute, die ihre Autos mit LEDs oder Spikes an den Felgen getunt haben. In Deutschland wäre das unvorstellbar. Zudem hat hier das Wort Recycling eine sehr schwache Bedeutung. Hier wird kaum Müll getrennt und die Straßen und Wiesen sind total vollgemüllt.

Was mich aber positiv überrascht und fasziniert hat, war, dass das Wort „Familie“ eine viel innigere Bedeutung hat als bei uns in Deutschland. Hier wird nicht viel auf materiellen Wohlstand gesetzt. Eher darauf, dass man beisammen mit der Familie ist und alle gesund sind. Auch muss ich sagen, dass die Ecuadorianer viel offener und herzlicher sind als die Menschen in Deutschland. So gibt es hier z.B. viele Menschen, die Anhalter auf ihren kleinen Pick-up-Trucks mitnehmen. Auch das würde es in Deutschland nicht geben.

Insgesamt merkt man schon, dass sich mein Heimatland und Ecuador kulturell sehr unterscheiden. Aber das ist auch gut so. So habe ich einen Einblick in eine neue Kultur bekommen und mich möglichst schnell daran angepasst. Man absorbiert jeden Tag einen Teil dieser Kultur und lernt Neues dazu und kann als Mensch stetig wachsen. Ich lerne sowohl jeden Tag an meiner Arbeit, in meiner Familie als auch in meiner Freizeit stets neue Sachen. Sowohl über Ecuador als auch über mich selbst.

Eine weitere tolle Sache an meinem Freiwilligendienst ist natürlich das Reisen. Vor allem mit meinen Freunden. Ich habe bis jetzt nur ein paar Städte mitgenommen, aber das, was ich gesehen habe, werde ich nicht so schnell vergessen. Selbstverständlich werde ich meine verbleibende Zeit aber noch nutzen, um Ecuador so gut es geht zu erkundigen.

Dieser Freiwilligendienst hat mir viele neue Freundschaften eröffnet, sowohl mit den anderen deutschen Freiwilligen als auch mit Menschen, die man während seiner Lebensreise kennengelernt hat. Man hat viele Menschen kennengelernt, die man leider nach ein paar Tagen wieder verlassen musste. Es tat immer etwas weh, sich zu verabschieden, weil man weiß, dass man sich nicht so schnell wiedersehen wird. So z.B. unsere mexikanischen Freunde, die wir in einem Hostel in Quito kennengelernt und ein gemeinsames Wochenende verbracht haben. Doch da, wo sich eine Tür schließt, öffnet sich ein Fenster. Man bleibt mit vielen Menschen in Kontakt und knüpft Freundschaften, die vielleicht eine Ewigkeit halten.

Zudem habe ich gelernt, dankbarer für die für uns so selbstverständlichen Dinge wie Gesundheit, Familie und finanzielle als auch seelische und körperlicher Sicherheit und Freiheit zu sein. Ich habe gelernt, über meinen eigenen Schatten zu springen und Neues auszuprobieren, ich bin viel offener im Kontakt mit meinen Mitmenschen geworden, als ich es schon immer war und ich konnte persönlich an einigen meiner positiv und negativ gesammelten Erfahrungen wachsen.

Und für all das bin ich unfassbar dankbar!

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